Berlin/Brüssel: Die heute von den 27 EU-Mitgliedstaaten beratene Initiative von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden gegen Ultra Fast Fashion wird ihr Ziel nicht erreichen, die Flut von Ramschware nach Europa wirksam einzudämmen. Zu dieser Bewertung kommt der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie und warnt eindringlich davor, die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen der Branche in Europa noch weiter zu belasten.
Jeden Tag kommen nahezu unkontrolliert 450 000 Päckchen über Shopping-Apps aus Asien allein in Deutschland an. Mit solchen Geschäftsmodellen werden die europäischen Märkte jeden Tag auch mit Ultra Fast Fashion geflutet. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie: „Die EU glaubt mit zusätzlichen Anforderungen an Produkte innerhalb des EU-Binnenmarktes eine Lösung des Problems gefunden zu haben. Das Gegenteil wird der Fall sein. Die heimische Industrie wird weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, während die Billigimporte munter weiter gehen, weil sie in dieser schieren Masse einfach nicht kontrollierbar sind.“
Die Initiative von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sieht zusätzliche strengere Vorgaben zu Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit vor. Die Vorschläge gehen über das hinaus, was bisher diskutiert wurde. Das erhöht die Kosten und den bürokratischen Aufwand für die heimischen Unternehmen erheblich, ohne den Zustrom von Ultra Fast Fashion aus Drittstaaten wirksam zu begrenzen.
Hauptgeschäftsführer Mazura: „Wer Ultra-Fast-Fashion wirklich eindämmen will, muss bei den Importen und den Plattformen ansetzen – nicht bei den Unternehmen, die sich schon heute an alle Regeln halten.“
Aus Sicht des Gesamtverbandes textil+mode droht die Initiative damit das eigentliche Ziel zu verfehlen: Während europäische Hersteller stärker belastet werden, bleiben strukturelle Wettbewerbsnachteile gegenüber Anbietern aus Drittstaaten weitgehend bestehen.
Der Verband fordert daher mehr Tempo und ein entschlossenes Vorgehen. Eine konsequente Durchsetzung bestehender Regeln, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer, klare Verantwortlichkeiten für E-Commerce-Importe sowie eine wirksame Zoll- und Marktüberwachung. Uwe Mazura: „Das geht alles viel zu langsam. Die Kommission will zwar mit dem sogenannten „Deemed Importer“ eine Verpflichtung einführen, dass Anbieter aus Drittstaaten in der EU einen rechtlich Verantwortlichen benennen müssen. Die soll aber erst Mitte 2028 kommen. So viel Zeit hat die deutsche Textil- und Modeindustrie aber nicht. Etliche Firmen werden dem Druck bis dahin nicht standhalten und schließen. Die Lage ist ernst. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen den „Deemed Importer“ unverzüglich einführen.“
Positiv bewertet textil+mode erste bereits umgesetzte Schritte der Europäischen Kommission, wie die Abschaffung der Zollfreigrenze für Kleinsendungen sowie die geplante Bearbeitungsgebühr für E-Commerce-Importe. Diese Maßnahmen gehen in die richtige Richtung, müssen jedoch konsequent weiterentwickelt werden.
„Europa braucht nicht immer neue Regeln für seine Industrie. Europa braucht die konsequente Anwendung dieser Regeln gegenüber denjenigen, die sich bisher ihrer Verantwortung entziehen“, so Hauptgeschäftsführer Mazura. Die deutsche Textil- und Modeindustrie steht klar zum Ziel nachhaltiger und zirkulärer Produkte. Voraussetzung dafür sind jedoch faire Wettbewerbsbedingungen im Binnenmarkt. Nur wenn für alle Anbieter – ob aus Europa oder aus Drittstaaten – die gleichen Regeln gelten und auch durchgesetzt werden, kann Ultra Fast Fashion wirksam eingedämmt und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Europa gesichert werden.
Finden Sie hier weitere interessante Inhalte